Wer erinnert sich nicht an ihn? Huginn frá Kjartansstöðum

  • 10. nóvember 2011
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Wer erinnert sich nicht an ihn? Huginn frá Kjartansstöðum

Ein Pferd, das bestimmt vielen Leuten in Erinnerung geblieben ist, ist der Rappe Huginn frá Kjartansstöðum. Heute lebt Huginn auf einem Hof in Norddeutschland und wie man den Bildern entnehmen kann, ist er dort das Lieblingspferd aller Kinder. Hier in Island hat Huginn immer noch viele Anhänger, schließlich hatten sie ihre Erfilge genau diesem Pferd zu verdanken.

Es war egal, zu welchem Turnier er genannt wurde – er gewann sie alle. Egal, ob im Gæðingakeppni A- oder B-Flokkur, er schaffte es alle anderen stets hinter sich zu lassen. Auch die unzähligen Töltpreise, die er mitlief, konnte er für sich entscheiden. Nachdem der Pass mehr trainiert wurde, war er auch in der Passprüfung unschlagbar. Er wurde Isländischer Meister im Fünfgang und ist schliesslich 1995 an der WM in der Schweiz gestartet, wo er in dieser Prüfung den Weltmeistertitel gewinnen konnte und zudem Weltmeister in der Fünfgang-Kombination wurde. Geritten wurde er auf der WM von dem damals erst 19jährigen Sigurður Vignir Matthíasson, der dieses Pferd so schnell nicht vergessen wird. 

„Mein Vater und ich waren im Süden unterwegs und haben einen kurzen Stop auf Kjartansstaðir eingelegt, eigentlich um den Hengst Trostan zu kaufen. Dann sahen wir seinen Halbbruder, der die gleiche Mutter hatte, im Stall, und wir kauften beide Pferde im Paket. Huginn war zu der Zeit 13 Jahre alt.

Damals hat man sich eigentlich nicht mal ein Pferd angesehen, das schon 10 Jahre alt war, denn diese galten bereits als zu alt. Heute weiss man, dass die Pferde genau in diesem Alter die besten Leistungen vollbringen können und sich sehr gut für die Turnierreiterei eignen, wenn man sich gut um sie kümmert. Die Leute haben es nicht ganz verstanden, dass wir in so ein altes Pferd investieren. Für sie war seine Zeit vorbei. Ich habe ihn den Winter über trainiert und mir Hilfe bei Þorvaldur geholt, der ihn zuvor trainiert hatte. Trotzdem habe ich auch einfach viel nach meinem eigenen Gefühl geritten.“ Der unschlagbare Huginn hatte seine Karriere zu der Zeit noch lange nicht beendet – denn bereits ein Jahr später schmückte er als doppelter Weltmeister das Titelblatt von Eiðfaxi. 

Þorvaldur Sveinsson ist der Züchter von Huginn und trainierte ihn in seinen ersten 12 Jahren:

„Ich habe Terna von Náttfari frá Ytra-Dalsgerði decken lassen und dabei kam Stígur heraus, geboren 1980. Mir hat das Fohlen so gut gefallen, dass ich beschlossen habe, Terna ein Jahr später erneut von Náttfari decken zu lassen. Sigurbjörn Eiríksson, der Besitzer von Náttfari, war ebenfalls begeistert von Stígur und schenkte mir den zweiten Decksprung, denn gute Nachkommen sind ja bekanntlich die beste Werbung für ein Pferd. Aus diesem Decksprung bekam ich dann Huginn,“ sagt Þorvaldur und man kann behaupten, dass sowohl Stígur, als auch Huginn ein gutes Beispiel für die Qualität von Náttfaris Nachkommen sind.

„Huginn ist uns hier in Kjartansstaðir in guter Erinnerung geblieben, sowohl betreffend seiner Persönlichkeit, als auch betreffend seiner Gangqualität. Er war ein absolutes Ausnahmepferd. Huginn hat beispielsweise dreimal das grosse Turnier der Vereine Süd-Islands gewonnen, erst zweimal im A-Flokkur, dann das B-Flokkur, sowie den Töltpreis. Auch als Reitpferd war er etwas ganz besonderes, er hatte sehr viel Raumgriff, sowohl im Tölt, als auch im Trab und unglaublich viel Geschmeidigkeit in allen Gängen, diese zeichnet eigentlich alle Nachkommen von Terna aus. Bei ihnen bewegt man sich kaum im Sattel.“

Sigurður bestätigt die Worte von Huginns Züchter:

„Huginn ist ein unglaubliches Pferd. Er hat einen sehr speziellen Charakter und wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Jeder Ausritt war ein Genuss und die Arbeit mit ihm hat mir jeden Tag Spass gemacht. Er hatte sehr viel Temperament, war aber stets gut regulierbar und sehr Aufmerksam. Er war immer zu allem bereit, egal was ich von ihm verlangte. Die Gangarten sind aussergewöhnlich gut gewesen und sehr gleichmässig. Der Pass war sicher und sehr schnell. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dieses Pferd kennenlernen und von ihm lernen durfte, denn in unsere gemeinsame Zeit habe ich sehr viele Erfahrungen sammeln können. Wir haben die Isländischen Meisterschaften gewonnen, viele Gæðingakeppni Prüfungen und dann natürlich den Weltmeistertitel.“

Im Jahr 1995 wurden Sigurður und Huginn in die Isländische Nationalmannschaft als Ersatzreiter gewählt. Glücklicherweise hat es mit einem Start geklappt, denn das Paar war ein Glücksgriff für die Mannschaft und die WM eine grosse Erfahrung für den jungen Reiter.

Eiðfaxi interviewte Sigurður vor dem Finale im Fünfgang 1995:

19jähriger Weltmeister

Sigurður Matthíasson, der zum zweiten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, konnte die Kombinationswertung gewinnen. Der Sieger dieser Wertung wird oft als Gewinner der WM bezeichnet, auch wenn das Tölthorn eine grössere Bedeutung hat, wahrscheinlich, da es bisher erst so selten nach Island gegangen ist.

– Wie geht es dir jetzt, nachdem du deinen ersten Weltmeistertitel gewonnen hast?

„Ich habe mich sehr gefreut. Vor allen Dingen bin ich froh, dass ich mich jetzt in Ruhe auf das Finale vorbereiten kann. Ich kann Huginn in Ruhe vorbereiten und seine Kräfte sparen, denn dieses Finale ist das einzige am Sonntag.“

– Bist du nicht aufgeregt, wenn du daran denkst, dass du nochmal vor ungefähr 10.000 Zuschauern reiten musst?

„Nein, ich versuche so wenig wie möglich daran zu denken und konzentriere mich einfach auf meine Aufgabe und hoffe, dass die Magenschmerzen dann erst kurz vor Beginn eintreten werden.“

– War dieses Turnier anspruchsvoller als die WM in Holland?

„Ja, in gewisser Weise schon. Es ist etwas anderes mit einem Fünfgänger zu starten, als mit einem Viergänger. Der Kampf um die höchste Gesamtwertung war schwer, aber durch einen schnellen Passlauf konnte ich wichtige Punkte gewinnen, die dann zum Sieg reichten.

Es wird schwierig im Finale gegen Karly Zingsheim anzutreten, denn er hat ein sehr gutes Pferd, das sowohl Zuschauer, als auch Richter stark beeindruckt hat. Wir werden trotzdem unser bestes geben und sehen, ob wir den Meistertitel gewinnen können,“ sagt Sigurður.

Im Finale schaffte es Sigurður tatsächlich Karly hinter sich zu lassen und holte Gold für Island.

 

Eiðfaxi unterhielt sich mit Sigurður über die damalige WM: 

 „Wir hatten natürlich schon vorher von Karly Zingsheim und seinem Unschlagbaren Feykir von Rinkscheid gehört. Feykir war wirklich ein tolles Pferd und Karly hatte eine ausserordentlich gute Technik beim Legen und Zurücknehmen im Pass.
Da ich auch versuchen wollte in der Kombinationswertung zu punkten, nannte ich Huginn für die Passrennen, auch wenn ich diese Prüfung vorher noch nie geritten bin. Er ist in der Schweiz dann das erste Mal in eine Startbox gegangen und er lief natürlich bei den ersten drei Versuchen direkt im Kreuzgalopp aus der Box. Dies war wohl vorhersehbar.“

Die anderen Mannschaftsmitglieder waren nicht begeistert von der Idee das Pferd vor dem Fünfgangfinale so müde zu machen, aber Siggi wollte nicht aufgeben. „Ich war mir so sicher, dass wir das schaffen könnten. Im vierten Lauf merkte ich, dass er im richtigen Galopp aus der Box lief. Er hatte eine unglaublich gute Technik und es war einfach ihn in den Rennpass zu legen, daher riskierte ich es, ihn im Galopp schnell laufen zu lassen. Er liess sich ganz einfach legen und ich bekam eine sehr gute Zeit. Diese reichte und die Goldmedaille sollte mir gehören. Für mich war der Sieg wie eine doppelte Vitamindosis für den nächsten Tage und das A-Finale im Fünfgang.
Man hörte fast jeden nur von Karly und Feykir reden, ich hatte den Eindruck, dass alle mit ihnen gehalten haben. Ich ging die Sache trotzdem locker an und Huginn war wie immer, in allen Gangarten hundert Prozent sicher. Es hat einfach nur Spass gemacht.“

Sigurður sagt, dass er sich sicher ist, dass Huginn nach wie vor zu den besten Fünfgängern Islands gehören würde, wäre er noch mal so jung wie damals. „Er wäre mit Sicherheit einer der Besten und würde jede Fünfgangprüfung und jedes A-Flokkur gewinnen.“

Nach dem Sieg im Fünfgang bei der WM hatten viele Leute Interesse daran, Huginn zu kaufen. „Ich hatte das grosse Glück, dass ich ihm ein Zuhause aussuchen konnte. Dies war mir sehr wichtig, denn ich wollte ihn nicht an irgendjemanden verkaufen. Ich war sehr glücklich, dass August Beyer ihn gekauft hat, da ich ihn kannte und wusste, dass es ihm dort sehr gut gehen wird.  Ich konnte mir keinen besseren Platz für ihn vorstellen. Ich glaube, dass sich ein jungs Mädchen um ihn kümmert und ihn von vorne bis hinten verwöhnt und das hat er sich auch wirklich verdient,“ sagt Siggi.

In den vergangenen Jahren wurde Huginn als Schulpferd in der Reitschule von Margot Großfeld eingesetzt und die Kinder sind mit Sicherheit alle begeistert, dass sie von einem ehemaligen Weltmeister lernen können. „Huginn ist eines der besten Pferde, das ich je kennengelernt habe, er hat sehr gute Gangarten und einen einzigartigen Charakter. Er ist eigentlich ein Viergänger mit aussergewöhnlich gutem Rennpass. Einfach ein richtiger Gæðingur,“ sagt Susanne George, die uns auch die Bilder von Huginn geschickt hat, welche letzte Woche gemacht wurden.

Susanne und August erzählen Sigurður oft wie es Huginn geht, denn dieser hat das Pferd schon lange nicht mehr gesehen. Er hatte während des Gesprächs die Idee, dass Huginn doch eigentlich ein guter Kanditat für einen Ehrengast bei der WM 2013 in Berlin wäre!

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